r Calle Málaga
Maryam Touzani, Morocco, Spain, 2025o
Maria Angeles, a 79-year-old Spanish woman, lives alone in Tangier, Morocco, and enjoys her daily routine. However, her life is turned upside down when her daughter arrives from Madrid to sell the apartment in which she has always lived. Determined to stay, she does everything she can to get her home and her belongings back and, unexpectedly, rediscovers love and sensuality.
Von der marokkanische Regisseurin Maryam Touzani hätte man nach dem melancholischen Drama Le bleu du Caftan nicht unbedingt ein Feel-Good-Movie erwartet. Ging es dort um ein nuanciert gezeichnetes Liebesdreieck, das wegen der verdeckt gelebten Homosexualität eines Ehemanns unauflösbar blieb, so nimmt ihr neuer Film einen eher absehbaren Verlauf: Eine gut siebzigjährige Spanierin, die ihr ganzes Leben in Tanger verbracht hat, wird von ihrer Tochter aufgefordert, ihre Wohnung von einem Tag auf den anderen zu verlassen, da diese verkauft werden soll. Anfangs empört, gibt die Rentnerin schliesslich vor, die Entscheidung zu akzeptieren. Doch kaum in einem Altersheim untergebracht, beschliesst sie, in ihre grosse Wohnung zurückzukehren, für die sich noch kein Käufer gefunden hat. Nach und nach kauft sie ihre alten Möbel zurück, die an einen Antiquitätenhändler verscherbelt wurden – in den sie sich nach anfänglicher Abscheu verliebt. An Fussballabenden verwandelt sie ihre Wohnung in eine Tapas- und Bierbar. Das Angebot findet Anklang, ein neuer Lebensschwung erfasst die Heldin, und dieser Funke springt schnell auf das Publikum über. Mag diese Dramaturgie auch grob gestrickt sein, so inszeniert sie Touzani mit einer Mischung aus Feingefühl und Zärtlichkeit, der man sich kaum entziehen kann. Diese Alchemie verdankt sich nicht zuletzt der heiteren Ausstrahlung der Hauptdarstellerin Carmen Maura (Volver, Les femmes du 6ème étage), die kontrastiert mit der ruhigen Stärke Ahmed Boulanes: einem wahren Goldschatz hinter brummiger Fassade. Dennoch bleibt das Glück, in dem der Film badet, stets gefährdet: Was wird aus der neu gewonnenen Harmonie, sobald die Wohnung verkauft ist? Bis dahin heisst es: Carpe diem.
Émilien Gür
