r Las corrientes
Milagros Mumenthaler, Argentina, Switzerland, 2026o
At the height of her career, Lina, a 34-year-old Argentine stylist, is driven by a sudden impulse after an award ceremony in Switzerland. Back in Buenos Aires, she says nothing, but something in her has shifted – quiet and invisible, it subtly unravels a past she thought she had left behind.
Die argentinisch-schweizerische Regisseurin Milagros Mumenthaler (Abrir puertas y ventanas) weiss nur zu gut, dass die Filmgeschichte einen langen Zopf bildet. So ist denn auch das Material ihres formverliebten neuen Films vor allem: Haar.
In Genf stürzt sich eine argentinische Designerin mitten im Winter aus einem rätselhaften Impuls heraus in die Rhône. Sie kehrt nach Buenos Aires zurück, ohne jemandem von dem Vorfall zu erzählen, nicht einmal ihrem Mann. Nach und nach stellt sich heraus, dass die Protagonistin eine Abneigung gegen Wasser hat. Das Waschen ihrer langen Haare ist für sie eine Qual. D
iese psychische Störung bildet einen irritierenden blinden Fleck im gutbürgerlichen Alltag des Paares, das in den privilegierten Kreisen der argentinischen Hauptstadt verkehrt. Dass niemand imstande ist, das Leiden der Protagonistin anzusprechen, wirkt dabei zwar an den Haaren herbeigezogen. Doch man muss den Tatsachen ins Auge sehen: Auch die Wohlhabenden sind gegen Ignoranz nicht gefeit. Den Beweis liefert der Ehemann, den einzig die Wahrung des schönen Scheins interessiert. In einer Hinsicht gibt man ihm recht: Schöne Haare hat seine Frau.
Émilien Gür
