r H Is for Hawk
Philippa Lowthorpe, UK, USA, Singapore, 2025o
When Helen’s beloved father dies, she loses herself in memories of the time they spent together birdwatching and exploring nature. Obsessed with the idea of training a goshawk herself, she brings the imposing bird, Mabel, to live with her in Cambridge. But as she tries to teach Mabel how to hunt and fly unaided, she gradually realises just how much she has neglected her own feelings and her own life.
Wer die britische Königshaus-Serie The Crown gesehen hat, wird sich an die bezaubernde Mischung von Befangenheit, Entschlossenheit und Intelligenz erinnern, mit der Claire Foy dort die junge Königin Elizabeth II verkörperte. In der Verfilmung des autobiographischen Bestseller-Romans H is for Hawk gibt die mittlerweile 42jährige Schauspielerin mit der gleichen Intensität eine gänzlich andere Figur: die Nachwuchswissenschaftlerin Helen, die in Cambridge unterrichtet und sich nach dem Tod ihres geliebten Vaters obsessiv in die Abrichtung eines Habichts vertieft. Der Unterricht, die Vorbereitung eines Forschungs-Semesters und einer Gedenkveranstaltung für den Vater, ihre restliche Familie und ihre beste Freundin, gar ihre Wohnung auf dem Campus und ihr eigener Habitus: alles gerät der alleinstehenden Frau aus dem Blick, sie hat nur noch Augen für den Vogel, verwildert quasi mit ihm und mutiert auf dem - Exzentrik gewohnten - Campus zur Aussenseiterin, die mit dem Vogel auf dem Arm zum Faculty-Cocktail kommt. Wenn diese eindrückliche Steigerung ins Autistische dennoch nicht ganz an Foys königliche Rolle heranreicht, so hat das mit Schwächen des Drehbuchs zu tun. Es verläuft sich anfänglich in flachen Alltagsszenen mit dem Vater (leicht unterbeschäftigt: der grossartige Brendan Gleeson), später im beharrlichen Vorführen von Ritualen, welche die uneingestandene Depression der Protagonistin dennoch nicht wirklich ergründen. Trotzdem ist H is for Hawk einer jener Filme, denen man je länger, desto lieber folgt. Fesselnd zunächst, wie Foy alias Helen die Beziehung zu dem Vogel aufbaut, den sie selber als eingermassen bindungsresistent einstuft; atemberaubend dann die Aufnahmen des buchstäblich entfesselten Jagdtiers, wenn es im Tiefflug einen Fasan oder ein Kaninchen verfolgt und dabei von der genauso entfesselten Kamera durch Hecken und Büschen verfolgt wird. Wird der Protagonistin das Tier abhandenkommen, oder wird sie bewusst auf Distanz zu ihm gehen, um ins soziale Leben zurückzufinden? H is for Hawk lässt auch dies in der Schwebe, just das macht vielleicht die Zeitlupen-Faszination des Films aus: unmerkliches Anschleichen, um nicht mehr loszulassen.
Andreas Furler
